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Sommer Oper Bamberg 2017 abgesagt

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30.05.201301:02

325 junge Stimmen wollen nach Bamberg

v.l.n.r./vorne: Franziske Hunke (Agentur Artistainternational Berlin), Till Fabian Weser (Künstl. Leiter SOB); v.l.n.r./hinten: Valentina di Taranto (Coach Opernitalienisch), Rainer Lewandowski (Intendant E.T.A.-Hoffmann-Theater, Bamberg)

Von Jürgen Gräßer

In die fünfte Runde geht vom 8. September an die Sommer Oper Bamberg. Längst hat sich herumgesprochen, dass der Europäische Orchester- und Opernworkshop unter der künstlerischen Gesamtleitung von Till Fabian Weser zu den besten auf dem Kontinent zählt. Einige ehemalige Solisten haben es in renommierte Opernhäuser geschafft, manch ein Instrumentalist schickt sich an, eine Orchesterkarriere zu machen.

Die aus Belgrad stammende Tamara Banješević beispielsweise, die vor zwei Jahren die Susanna in Mozarts Figaro gab – und zwar, wie ein begeisterter Kritiker schrieb, „stimmlich und schauspielerisch“ überragend – gehört seit der Spielzeit 2012/2013 fest dem Ensemble des Nationaltheaters Mannheim an. Auch hat Banješević bei den diesjährigen Osterfestspielen der Berliner Philharmoniker in Baden-Baden mitgewirkt. Das Niveau der Sommer Oper ist derart hoch, dass das Musiktheatermagazin Opernnetz Bamberg zum „Pflichttermin für Intendanten und Agenten, die auf der Suche nach geeignetem Nachwuchs sind“, bestimmt hat.

Auch in diesem Jahr steht mit Don Giovanni eine der großen, der sinnlichen und an Tempo reichen Mozartopern auf dem Spielplan. E. T. A. Hoffmann, der vor zwei Jahrhunderten Bamberg recht fluchtartig verließ (mehr dazu ein anderes Mal in diesem BLOG), nannte den Don Giovanni sogar die „Oper aller Opern“. Für die drei Frauen- und die fünf Männerrollen der 1787 in Bambergs Partnerstadt Prag uraufgeführten Oper hatten sich 325 Sopranistinnen, Tenöre, Baritone und Bässe beworben. Nach einem ersten Sichten hatte man die siebzig vielversprechendsten Kandidaten zu einem Vorsingen am 10., 11. und 12. Mai ins Große Haus des E. T. A.-Hoffmann-Theaters eingeladen.

Besonders begehrt war die Partie der Zerlina. Den hohen Anforderungen dieses Koloratur-Soprans stellte sich die aus Hirschaid stammende Victoria Kunze. Sie studiert derzeit an der Musikhochschule in Saarbrücken in der Klasse von Ruth Ziesak. Die Vierundzwanzigjährige hatte quasi ein Heimspiel, denn schon als Kind, verriet sie munter parlierend, sei sie „in diesem Haus“, im E. T. A.-Hoffmann-Theater, gewesen. Klar, dass sie ziemlich nervös war, doch wusste Kunze ihre aufgewühlten Nerven geschickt zu verbergen. Und das von Till Fabian Weser nach der ersten anstregenden Arie gemachte Angebot, sie wolle doch sicher etwas Wasser trinken, lehnte sie mit einem lächelnden Dankeschön ab.

Es fiel überhaupt auf, wie wohl sich die Kandidaten trotz der starken Konkurrenz beim Vorsingen fühlten. Und zwar nicht erst beim entspannten Photo-Shooting hernach. Die SOB tut eben ihr Bestes – und wenig ist das wahrlich nicht – für ein Ambiente zu sorgen, in welchem sich gut arbeiten lässt. Wie Weser später beim Presse-Lunch erzählte, bekomme man immer wieder Dankesschreiben sogar von Bewerbern, die es dann doch nicht in eines der in Bamberg üblichen zwei Solistenensembles geschafft haben.

Kunze jedenfalls hat sich mit ihrer starken Bühnenpräsenz und einer geschmeidig geführten Stimme wunderbar geschlagen. Aber verraten sei damit nichts. Das ist auch gar nicht möglich, denn einige starke Bewerber mussten krankheitshalber absagen. Nun ist für den frühen Juni ein weiteres Vorsingen angesetzt worden. Erst danach wird man also wissen, wer letztlich das Rennen gemacht hat.

Auch die Münchnerin Julia Makarevich, die sich für die Partie der Donna Anna beworben hatte, hinterließ einen guten Eindruck. Die an der Universität der Künste zu Berlin diplomierte Sopranistin war über das Internet auf die Sommer Oper Bamberg aufmerksam geworden. „Das sah“, sagte Makarevich, „sehr interessant aus. Eigentlich perfekt!“ Sie hatte sich dann noch mit Kollegen vom Fach ausgetauscht, die ihr Bamberg unbedingt empfahlen. Sehr angetan zeigte sie sich von der Workshop-Idee. Man könne hier noch vieles lernen, erzählte sie nach dem Vorsingen. Und es war ihr anzumerken, dass sie die Aussicht auf eine Teilnahme gerade auch am Meisterkurs mit der österreichischen Mezzosopranistin Angelika Kirchschlager vorfreudig erregte.

Nicholas Probst stellte sich als Masetto vor. Die Bass-Partie des Bräutigams von Zerlina hat er bereits an der Opera Company in Brooklyn, New York, ausgefüllt. Der gebürtige Amerikaner, der akzentfrei sang und auch mit seiner Gestik und Mimik erfreute, bildet sich nach einem ersten Abschluss in Kalifornien jetzt an der Stuttgarter Musikhochschule bei Ulrike Sonntag weiter. Mit der dortigen Staatsoper und mit der Internationalen Bachakademie hat Probst bereits zusammengearbeitet, neben Masetto auch den Papageno schon gemacht.

Aber auch Probst wird sich noch ein wenig in Geduld üben müssen, bis die Ergebnisse bekannt gegeben werden. Wie auch immer. Es mag ja sein, dass er doch, wenn er demnächst im Schwäbischen das Schreiben aus Oberfranken öffnen wird, spontan den Refrain von Emerson, Lake & Palmer‘s „Lucky Man“ ändern wird und – aus der Vergangenheit in die Gegenwart springend und von der dritten zur ersten Person – zu singen anhebt: „Oh what a lucky man I am.“ Wir jedenfalls wünschen es ihm.