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Sommer Oper Bamberg 2017 abgesagt

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30.06.201521:15

Sommer Oper Bamberg 2015 – die ersten Tage …

Seit der Ankunft der 17 Sängerinnen und Sänger am 21. Juni herrscht geschäftiges Treiben im E.T.A.-Hoffmann-Theater – das Projektbüro der Sommer Oper Bamberg ist eröffnet, die ersten Proben laufen, der Meisterkurs mit Angelika Kirchschlager sorgt für einen Höhepunkt. Till Fabian Weser, der Gründer und künstlerische Leiter des Projekts, berichtet von den ersten Tagen:

Los ging’s diesmal nicht mit Gesang, sondern mit einem mehrtägigen Workshop für darstellerisches Training …

Till Fabian Weser Wir waren alle sehr neugierig auf den Balletttänzer und Choreographen Peter Leung, der mir im Vorfeld sehr nachdrücklich empfohlen worden war. Die Sänger haben in Ihrem Studium zwar auch Unterricht in darstellerischem Spiel, trotzdem war dieser Workshop komplettes Neuland für sie. Es ging weniger um Werkzeuge, wie man sich gut auf der Bühne bewegt, sondern eher darum, den Körper als Ausdrucksmittel zu beleuchten. 

Stand das in inhaltlichem Zusammenhang mit der Opernproduktion?

TFW Peter Leung hatte sich schon vorher mit der Regisseurin abgesprochen, aber seinen Workshop nicht ausschließlich auf die ›Zauberflöte‹ angelegt. Es ging eher um Improvisation, um das Darstellen von Gefühlen oder Emotionen. Ich habe einen Teil miterlebt, da ging es um die szenische Darstellung eines Alptraums; da gab es richtige Gänsehaut-Momente. Es war eine sehr intensive, intime Atmosphäre, und die Gruppe wurde in sehr kurzer Zeit sehr vertraut miteinander und hatte viel Spaß dabei. Ein wunderbarer Einstieg in die Sommer Oper …

Also eine Art Team-Building-Maßnahme für den Anfang?

TFW Ja, das war auch der Grundgedanke von Peter Leung. Das hat sofort für enorme Kollegialität und eine Gruppendynamik gesorgt, auf die ich dann bei den ersten musikalischen Proben wunderbar aufbauen konnte.

Diese laufen inzwischen seit mehreren Tagen. Am Donnerstag-Vormittag gab es einen Impulsvortrag und Workshop, bei dem nicht wie sonst eine der beiden Repetitorinnen zugegen war, sondern ein Jazzpianist, Johannes Billich aus Nürnberg. Worum ging es dabei?

TFW In den vergangenen Opernworkshops habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass die Kommunikation zwischen Sängern und Orchester ein wichtiger, aber auch kritischer Punkt ist. Die Sängerinnen und Sänger stellen, und das ist nur allzu verständlich, die Schönheit ihrer Stimme in den Vordergrund, sie nehmen sich – ganz zu Recht –Zeit fürs Atemzäsuren u.ä. Auf der anderen Seite ist es aber gerade bei den bewegten Passagen bei Mozart besonders wichtig, einen durchgehenden Puls in der Musik zu formen, bzw. zu gewährleisten. Die Workshopteilnehmer sollten ein Gefühl dafür bekommen, was es bedeutet, diesen Puls wirklich zu spüren und sich ihm letztendlich zu unterwerfen, mit ihm mitzugehen. Und dafür schienen mir die Welt und die Gesetzmäßigkeiten des Jazz, in dem das eine große Rolle spielt, spannende Möglichkeiten zu bieten.

Was hat der Pianist anders gemacht als ein »normaler« Korrepetitor?

TFW Er hat die Arien und Ensemblestücke nicht »verjazzt«, aber er hat die Begleitung völlig anders gehandhabt, damit sich die Sängerinnen und Sänger bei ihrem Gesangsparts vollkommen auf den Puls konzentrieren sollten. Zum einen hat er die Stücke re-harmonisiert, um die Sänger aus ihrer gewohnten Mozart-Umgebung zu holen. Vor allem aber ging es darum, wie man mit dem richtigen Puls Emotionen erzeugen und vermitteln kann – nicht nur durch Farbe und Text und Dynamik.

Ich spreche dabei von der »Gravitation des Taktstrichs«, die man spüren muss, wenn man sich Freiheiten erlauben will und soll. Dazu gehören die »BOB-Rules«: Before the beat, On the beat und Behind the beat. Wenn man damit spielt, kann man unglaubliche Emotionen erzeugen, neben den Farben, der Phrasierung und Textgestaltung eines Sängers.

Kannst Du ein Beispiel nennen?

Ein gutes Beispiel ist das Duett ›Papageno – Papagena‹. Dabei hat er Johannes Billich die Begleitstimme nur auf die Off-Beats reduziert, also die unbetonten Taktteile, und damit die Taktschwerpunkte weggelassen, die die Sänger dadurch ganz anders mitdenken und umsetzen mussten. Bei den drei Damen war es ähnlich. Für jedes Stück gab ein anderes, dazu passendes Merkmal aus dem breiten Repertoire der Jazz-Stilistik. Bei der Bildnis-Arie ging's z.B. darum, »behind the beat« zu singen, Sehnsucht durch Verzögerung zu erzeugen, aber dabei nicht zu schleppen. Und gerade weil ich gerne fließende Tempi suche, und in solchen Fällen die Gefahr besteht, dass es verhuscht wird, kann solch ein Konzept dabei sehr hilfreich sein, sich trotz eines frischen Tempos Zeit zu lassen.

Das klingt nach einem hochspannenden Konzept.

TFW Das war es, spannend, und sehr erfolgreich. Die Teilnehmer hatten auch einen unglaublichen Spaß dabei, die gewohnten Pfade zu verlassen und sich selbst ganz neu zu erleben. Eine wunderbare Vorbereitung auf den Meisterkurs mit Angelika Kirchschlager, der am Samstag begonnen hat.

Die Fragen stellte Maximilian Rauscher.
In Kürze mehr zum Meisterkurs und ein Gespräch mit Angelika Kirchschlager.