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Sommer Oper Bamberg 2017 abgesagt

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28.05.201500:12

Eine Erfolgsgeschichte?

Emanuel Schikaneder als der erste Papageno. Aus dem Titelblatt der Erstausgabe des Librettos der ›Zauberflöte‹.

Zur Uraufführung und frühen Rezeption der ›Zauberflöte‹

von HENRIETTE BERGER

Fraglos zählt ›Die Zauberflöte‹ zu den populärsten Opern auf den deutschsprachigen Bühnen, und auch wenn sie als ›La Flûte enchantée‹, als ›La flauta mágica‹, als ›The Magic Flute‹ oder als ›Il flauto magico‹ daherkommt, gehört KV 620 zu den absoluten Publikumslieblingen. Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres konnte oder kann noch immer der Opernfreund Aufführungen beispielsweise an der Deutschen Oper Berlin erleben, in Budapest, an der Staatsoperette Dresden, am Leipziger Opernhaus, in Paris (Opéra Bastille), an der Wiener Volksoper, an der Nationale Opera in Amsterdam, dem Stadttheater Bern, am Teatro Comunale von Bologna, im Wales Millennium Centre Cardiff, im Theater Winterthur und am Bayerischen Nationaltheater.
 
Auch die Semperoper, das Nationaltheater Weimar, das Theater Bonn, das Landestheater Detmold, das Grand Théâtre Massenet in Saint-Etienne, die Kungliga Operan Stockholm, das Musical Arts Center in Bloomington, Indiana, sollen nicht vergessen werden, noch das Marionettentheater Bamberg und naturgemäß schon gar nicht die Sommer Oper Bamberg. Sage und schreibe 605 Produktionen werden weltweit für die Spielzeit 2014/2015 verzeichnet, das macht 3554 Aufführungen, sechs weniger als ›La Traviata‹, die es mithin auf 3560 Aufführungen (bei 748 Produktionen) bringt und die Liste anführt, gefolgt von ›Carmen‹ (667, beziehungsweise 3147). Die beliebteste Wagner-Oper hingegen, ›Der fliegende Holländer‹, kann 824 Aufführungen innerhalb von 181 Inszenierungen vorweisen.

»Herr Mozart wird das Orchester heute selbst diregiren.«

Zur Uraufführung gelangte ›Die Zauberflöte‹ – neben ›Bastien und Bastienne‹ (1768) und ›Die Entführung aus dem Serail‹ (1782) die dritte Mozart-Oper deutscher Zunge – am letzten Septemberabend 1791 im Wiener (Freihaus-)Theater auf der Wieden. Es war übrigens Emanuel Schikaneder, der Librettist, der die Rolle des Papageno übernommen hatte (während Schikaneders Nichte, Anna, den Ersten Knaben sang und Urban, sein älterer Bruder, den Ersten Priester). Vom Flügel aus dirigierte Mozart selbst, während Franz Xaver Süßmayr, der später das Requiem KV 626 vervollständigen sollte, ihm umblätterte. Mozarts Schwägerin, Josepha Hofer, war die erste Königin der Nacht. Ihr hatte er zwei Jahre zuvor bereits die Sopranarie ›Schon lacht der holde Frühling‹ (KV 580) auf den Leib geschrieben.
 
Auf dem Theaterzettel zur Uraufführung war zu lesen: »Die Musik ist von Herrn Wolfgang Amade Mozart, Kapellmeister, und wirklicher K. K. Kammerkompositeur. Herr Mozard wird aus Hochachtung für ein gnädiges und verehrungswürdiges Publikum, und aus Freundschaft gegen den Verfasser des Stücks, das Orchester heute selbst diregiren.» ›Die Zauberflöte‹ geriet zu einem großen Erfolg. Allein im Oktober wurde sie rund zwanzigmal gegeben. An sein »liebstes, bestes Weibchen!« schrieb der Komponist am 7. Oktober, »freytag um halb 11 uhr Nacht«: »Eben komme ich von der Oper; – Sie war eben so voll wie allzeit. – das Duetto Mann und Weib [›Bei Männern, welche Liebe fühlen‹] wurde wie gewöhnlich wiederhollet – auch im 2:t Ackt das knaben Terzett [›Seid uns zum zweitenmal willkommen‹] – was mich aber am meisten freuet, ist, der Stille beifall! – man sieht recht wie sehr und immer mehr diese Oper steigt.«

 »... zum zweytenmal willkommen«

Und doch gab es bald auch durchaus kritische Stimmen, etwa im ›Musikalischen Wochenblatt‹ zu Berlin, in welchem es im Dezember heißt, die »neue Maschinenkomödie […], die mit grossen Kosten und vieler Pracht in den Dekorationen gegeben wird, findet den gehoften Beifall nicht, weil der Inhalt und die Sprache des Stücks gar zu schlecht sind«. Den deutschen Komponisten und Tonkünstlern scheine in Wien, anders als etwa dem Italiener Domenico Cimarosa, »nicht die vorteilhafteste Epoche bevorzustehn«. Doch erste Klavier-Auszüge waren schon wenige Wochen nach der Premiere zu haben, so im November das Duett ›Bey Männern welche Liebe fühlen‹ und die Aria ›In diesen heil’gen Hallen‹ für jeweils 20 Kronen, im Dezember auch das ›Terzetto‹ ›Seyd uns zum zweytenmal willkommen‹, und zwar »auf dem besten Schreibpapier, schön und korrekt gestochen«.

Mozart lag unterdessen – schon seit dem 20. November – krank zu Bett und verstarb, nachdem tags zuvor noch an seinem Krankenbett eine Art Probe des Requiems abgehalten worden war, bei welcher er die Alt-Stimme sang, am Montag, den 5. Dezember 1791 um fünf Minuten vor eins in der Nacht.